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Die soziale Stadt im Fokus

16. Deutschlandforum
Die soziale Stadt im Fokus

Die Perspektiven der Sozialpolitik in Deutschland und die Handlungsmöglichkeiten der Städte und Gemeinden in diesem Bereich standen im Mittelpunkt des 16. Deutschlandforums des Innovators Club im Februar in Berlin. Unter dem Titel „Soziale Stadt statt Sozialstaat“ diskutierten rund 65 Kommunalvertreter an zwei Veranstaltungstagen mit hochkarätigen Referenten über gesellschaftliche Veränderungen, politische Fehlentwicklungen und eine stärkere Rolle der Kommunen in der Sozialpolitik.

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Norbert Blüm auf dem 16. Deutschlandforum
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Der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm skizzierte zu Beginn des Deutschlandforums die aktuellen Herausforderungen der Sozialpolitik. Der profilierte Sozialpolitiker ging dabei unter anderem auf den demografischen Wandel ein. Aus seiner Sicht ergeben sich daraus neben Herausforderungen auch Chancen, etwa im Bereich des zivilgesellschaftlichen Engagements, für die Kommunen. Die gesellschaftlichen Veränderungen aus wissenschaftlicher Sicht stellte Professor Heinz Bude von der Universität Kassel dar. Er machte deutlich, dass es immer mehr Menschen gebe, die von Aufstiegschancen und Perspektiven ausgeschlossen seien, woraus neue und komplexe Herausforderungen in der Sozialpolitik resultierten.
Mit der Rolle der „Hilfsindustrie“ beschäftigte sich der Stern-Journalist Walter Wüllenweber in seinem Vortrag. Er kritisierte unter anderem die engen Verflechtungen der Wohlfahrtsunternehmen mit der Politik. Diese Organisationen seien in den letzten Jahren stetig gewachsen und nicht immer sei gewährleistet, dass ihre Tätigkeiten auch wirklich zielgerichtet und wirkungsorientiert erfolgten.

Bedeutenden Raum nahmen auf dem 16. Deutschlandforum verschiedene vorbildliche Praxisbeispiele aus Städten und Gemeinden ein. Dr. Farid Vatanparast, Träger des Deutschen Bürgerpreises 2012, stellte den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sein Projekt „Farid´s QualiFighting“ vor. Der ehemalige Boxer kümmert sich in Münster um Jugendliche in sozial schwierigen Situationen. Vatanparast verknüpft in seinem Projekt die Vermittlung sozialer Kompetenzen mit dem sportlichen Training in einem Boxverein und kann dabei sowohl bemerkenswerte sportliche Erfolge als auch eine deutliche Verbesserung der schulischen Leistungen seiner Schützlinge vorweisen. Das Konzept der „Social Business Women“ in Wiesbaden erläuterte Gabriele Möhlke, Geschäftsführerin des Vereins „Frauen für Frauen“. In diesem Projekt werden in der hessischen Landeshauptstadt Frauen, unter anderem durch die Vergabe von Mikrokrediten, bei ihrer Existenzgründung unterstützt.

Der Arnsberger Bürgermeister Hans-Josef Vogel referierte über die soziale Stadt als „Stadt des langen und guten Lebens“. Die Kommune im Sauerland unternimmt vielfältige Anstrengungen, um sich auf den demografischen Wandel einzustellen. Dazu zählt unter anderem der besondere Umgang mit Demenz. In Arnsberg wird seit Jahren daran gearbeitet, die gesamte Stadt für dieses Krankheitsbild zu sensibilisieren. Ein weiteres wegeweisendes Praxisbeispiel, das auf der Veranstaltung vorgestellt wurde, ist das „Netzwerk für Lebensqualität“ in der bayerischen Stadt Steinbach am Wald, das vom Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes, Roland Baierwaltes, vorgestellt wurde. Dort arbeiten die Kommune, Unternehmen, Wohlfahrtsorganisationen und ehrenamtlich Engagierte daran, ein umfassendes Betreuungsangebot für alle Altersklassen zu gewährleisten.

In einer abschließenden Podiumsrunde diskutierten Experten auf dem 16. Deutschlandforum die Frage „Wie geht´s weiter mit der Sozialpolitik?“.Dabei wurde vor allem deutlich, dass es den Kommunen ermöglicht werden muss, eigenverantwortlich Lösungen und neue Ansätze in der Sozialpolitik zu finden. Städten und Gemeinden kommt dabei die wichtige Aufgabe zu, die vorhandenen Angebote, Akteure und Aktivitäten zu vernetzen und eine steuernde Funktion einzunehmen.

(Ausführlicher Bericht folgt)




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© DStGB, Berlin, 01.03.2013