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Licht ist Lebensqualität

Best Practice
Licht ist Lebensqualität

Schaut man auf Deutschlands Kommunen, ist das Thema Stadtbeleuchtung ein sehr nüchternes Thema. Im Vordergrund steht die Frage nach Möglichkeiten der Einsparung von Energie, ansatzweise nach mehr Sicherheit und in ausgewählten Kommunen geht es um mehr Attraktivität im Bereich des Tourismus.

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Rainer Sturm/pixelio.de
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Können wir durch Reduktion der Beleuchtung Geld einsparen, heißt oftmals die Frage. LED heißt das Zauberwort. Würden die 9,6 Millionen Lichtpunkte in Deutschlands Kommunen auf LED umgerüstet, ließen sich nach Angaben des ZVEI jährlich rund 400 Millionen Euro einsparen. Ein gewaltiger Betrag.

Wesentlich weitblickender geht die Stadt Lyon das Thema Licht an. Auch hier gibt es verstärkt Kostenbetrachtungen, sie werden aber anders gelöst, nämlich über eine massive Priorisierung der Beleuchtung im gesamten Stadtgebiet und nicht nur an Straßen, öffentlichen Wegen und Plätzen. Licht ist dort Lebensqualität. Die Vertreter der Stadt sprechen von Lichtpolitik, die ein zentraler Baustein der Stadtentwicklung ist.

Seit 1989 wurden zwei Lichtmasterpläne beschlossen und umgesetzt

Hervorgehoben wurden in den Plänen insbesondere künstlerische Aspekte, die die Stadt in der Nacht in ein dynamisches Ambiente versetzen. Menschen sollen sich in der Stadt wohlfühlen. Zwei verschiedene Achsen wurden aufgestellt um die Lichtatmosphäre zu verbessern. Zum einen ging es um die Illumination der historischen Gebäude und zum anderen um die Ausleuchtung öffentlicher Räume. Für jeden Stadtteil wurden unterschiedliche Lichtkonzepte aufgestellt. “Stadt wird in Lyon als großes Theater verstanden. Stadt muss sich in Szene setzen”, heißt es. In der zweitgrößten französischen Stadt wurden Designwettbewerbe für die Lichtgestaltung durchgeführt, an der sich Künster und Bürgerinnen und Bürger beteiligt haben. Ziel des zweiten Lichtplanes der Stadt war es, über die Illumination der Gebäude hinauszugehen und das “Licht für den menschlichen Gebrauch” in der Stadt besser nutzbar zu machen. Die Stadt wurde “zweigeteilt”, in Lyon Tag und Lyon Nacht.

Zu häfig wird bei der Planung die Beleuchtung vom Tageslicht her betrachtet, Nachts sind die Verhältnisse aber anders. Ziel war es, In der Nacht andere Akzente zu setzen. Auch räumliche Aspekte spielten eine wichtige Rolle. Das Lichtkonzept sollte dazu beitragen, dass urbane Leben in den einzelnen Vierteln unterschiedlich auszudrücken und zu akzentuieren. Viertel der Kreativen werden Nachts anders beleuchtet als zum Beispiel reine Wohnviertel. Auch Projektoren werden verschiedentlich eingesetzt. In regelmäßigen Abständen veranstaltet die Stadt Lyon ein viertägiges Lichtfest. Künstler, Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen beteiligen sich hieran. In der Stadt selbst gibt es eine Lichtwerkstatt, die sich um die rund 70.000 Lichtpunkte der Stadt kümmert. Mit der Planung, Strategie und dem Betrieb einschließlich Wartung befassen sich rund 100 Mitarbeiter. Auch dem Thema Lichtverschmutzung stellt sich die Stadtverwaltung. Licht soll dahin gebracht werden, wo es auch punktuell gebraucht wird, heißt die Philosophie.

LED ist Digitalisierung

Mit LEDs ergeben sich neue Steuerungsmöglichkeiten zum Beispiele dynamische Lichtkonzepte zu erstellen, die besondere Ereignisse im Jahreskreislauf einer Stadt abbilden. Auch hier geht es um Gestaltung und Fokussierung. Die Besucher der neugestalteten Oper in Lyon erhalten bei Eintritt in das Gebäude obligatorisch einen Infrarotempfänger, der LEDs an der Aussenhaut des Dachs aktiviert. So kann man von Draußen sehen, wie viel Menschen sich in der Oper aufhalten.

Im Vergleich zu Deutschland ist der Strom in Frankreich billig. Um dennoch den durch die neuen Aktivitäten zu verzeichnenden Anstieg der Kosten abzubremsen, setzt man in Lyon konsequent auf LED-Beleuchtung. Sie konnten signifikant gesenkt werden und werden nach den Zielvorgaben sich weiter reduzieren.

Lyon gelingt es, ein magisches Ziel-Viereck umzusetzen. Es geht um den gesellschaftlichen Zusammenhalt, den Anreiz ökologischer Nachhaltigkeit, eine neue Wertschöpfung und nicht zuletzt um operative Exzellenz. Zu den Herausforderung zählt, künftig Lichtverhältnisse flexibel der sich ständig wandelnden Mobilität anzupassen und private und öffentliche Beleuchtung miteinander zu vernetzen.

Fazit

Öffentliche Beleuchtung nur auf Strom und damit Energieverbrauch zu beschränken ist zu kurz gegriffen.

  • Stadtkerne brauchen dringend mehr Anziehungskräfte. Sie müssen für die Zukunft stabil aufgestellt werden. Die Fliehkräfte durch Outlets und Onlinehandel verschärfen die Lage. Künftig geht es nicht um ein entweder oder, sondern um ein neues Miteinander sowie um ganzheitliche Stadtentwickklung. Dazu gehört auch das Thema Licht. Licht ist dazu geeignet, die Stadt zum Podium zu machen.
  • Neben dem Funktionslicht und dem Effektlicht muss dem Raumlicht höhere Beachtung geschenkt werden. Es geht um die Schaffung einer Gesamtatmosphäre in der Stadt. Lichtplanung braucht deshalb auch Dunkelplanung als Konstrastierung.
  • Wenn Menschen sich wohlfühlen, fühlen sich sie in aller Regel auch sicher. Licht ist ein wesentlicher Wohlfühlfaktor. In deutschen Kommunen sollte diesem Thema mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. 2015 ist das Jahr es Lichtes und damit eine gute Gelegenheit für Innovationen und Modernisierung.

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© DStGB, Berlin, 04.11.2014