Künstliche Intelligenz ist längst kein abstraktes Zukunftsthema mehr. Sie schreibt Texte, übersetzt Dokumente, erstellt visuelle Inhalte und unterstützt bei Recherchen. Auch in der Zivilgesellschaft ist sie angekommen, allerdings meist erst in kleinen, individuell angestoßenen Schritten und in Form von einfachen, unmittelbar nutzbaren Anwendungen ohne strategische Einbettung. Häufig fehlt es außerdem an eigener Infrastruktur oder langfristiger Planung.
Eine aktuelle Studie zur „AI-Readiness“ der Zivilgesellschaft in Deutschland wurde im Rahmen der Initiative Civic Coding von verschiedenen Bundesministerien herausgegeben und aus öffentlichen Mitteln finanziert. Die Studie nennt vor allem Vereine, gemeinnützige Kapitalgesellschaften und Genossenschaften als zentral untersuchte Organisationsformen. Diese bilden jedoch nur einen Teil der insgesamt sehr heterogenen Zivilgesellschaft. Inhaltlich zeichnet die Studie mittels Sekundärdatenanalyse, Expert:inneninterviews und einer Befragung von 120 zivilgesellschaftlichen Organisationen ein ambivalentes Bild: Die Grundlagen sind vorhanden, doch klafft eine Lücke zwischen der aktuellen Nutzung und dem Potenzial einer strategischen, flächendeckenden Anwendung.
Selten werden KI-Anwendungen laut Studie bislang für strategische Datenauswertung, KI-basierte Innovationsprojekte oder eigene technische Infrastruktur genutzt.
Zwischen Ressourcenknappheit und Digitalisierungsdruck
Viele Organisationen arbeiten mit begrenzten Budgets und wenigen hauptamtlichen Mitarbeitenden. Gerade Kleinere müssen improvisieren, während größere Organisationen IT-Verantwortliche benennen und spezialisierte Expertise aufbauen können. Die Studie zeigt deutlich, dass vor allem Unterstützung bei Infrastruktur, Finanzierung und Weiterbildung benötigt wird. Besonders häufig fordern sie den Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie eine stärkere Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung. Fast alle befragten Organisationen sehen hier politischen Handlungsbedarf. Breitbandnetze, offene Daten und klare regulatorische Rahmenbedingungen gelten als zentrale Voraussetzungen, um KI sinnvoll einsetzen zu können.
Besonders kleinere Organisationen sind aufgrund der skizzierten strukturellen Probleme oft nicht in der Lage, diese Kluft zu überwinden. Um dies zu realisieren sind zunächst eine zentrale Datenspeicherung, einheitliche Dateiablagen und Kommunikationstools vonnöten.
Am Ende bleibt eine zentrale Erkenntnis: Die Frage ist längst nicht mehr, ob die diversen zivilgesellschaftliche Organisationen KI nutzen werden, sondern wie und zu welchen Kosten. Insgesamt ist ein vorsichtig optimistisches Fazit zu ziehen. Sie sind teilweise „AI-ready“, verfügen also über eine grobe digitale Basis. Gleichzeitig bremsen fehlende Ressourcen aller Art vielerorts die Entwicklung. Oder, anders gesagt: KI allein verändert die Zivilgesellschaft nicht. Aber sie könnte ihr in Zukunft ein mächtiges Werkzeug in die Hand geben, sofern es gelingt, die Kluft zwischen Ist-Zustand und Potenzial strukturell zu überbrücken. Entscheidend ist, IT-Kompetenzen intern zu verankern, Wissen über Organisationsgrenzen hinweg zu teilen und verfügbare Bundesinitiativen als Quelle für Aufbau und Transfer von Know-how zu nutzen.

