Kommunale  Ernährungsgestaltung

Nudging – Ansatz in der Ernährungspolitik


Das Nudging (engl. Anstoßen, schubsen, stupsen) bezeichnet im politischen Kontext einen Ansatz zur Verhaltensänderung im alltäglichen Bereich. Beispiele sind hier Anstöße zur Abfallvermeidung, Verringerung der Energieverschwendung oder zur gesünderen Ernährung. Geprägt wurde Nudging durch die Verhaltensökonomie, der Schnittstelle zwischen Ökonomie und Psychologie. Zurück geht der Begriff auf das 2008 erschienene Buch „Nudge“ von Richard Thaler und Cass Sunstein.

Nudging möchte das Verhalten von Individuen in eine bestimmte Richtung lenken, jedoch hierbei die Wahlfreiheit aufrechterhalten. Im Zuge dessen wird sich besonders auf das Bedürfnis nach Gruppenzugehörigkeit gestützt. Hauptelemente von Nudging sind ein informativer Vergleich, eine gute Begründung für das erwartete Handeln zudem Anreize, Zukunftsausschichten und ein Konformitätsdruck gegenüber anderen. Nudging arbeitet hierbei ohne Verbote oder starke finanzielle Anreize. Es wird vor allem auf den individuellen Autopiloten gesetzt, der schnelle und automatische Entscheidungen trifft.

Vor allem im politischen Kontext sind Nudges von Vorteil, da sie anders als Verbote kaum Konflikte erzeugen. Die Wahlfreiheit der Bürger:innen ist durch Nudges nicht beeinträchtigt und auch in der modernen Kommunikation ist dieser Ansatz anschlussfähiger als Verbote.

Nudging in Bezug auf Ernährung

Vor allem beim Thema Ernährung kann Nudging einen Einfluss auf das Verhalten der Bürger:innen nehmen. Ein klassisches Beispiel ist die Platzierung von gesunden Waren, wie Obst, auf Augenhöhe und von Süßigkeiten auf niedrigerer Höhe. Besonders in Gemeinschaftseinrichtungen ist ein Nudging-Ansatz gut möglich. In Ganztagsschulen, Pflegeeinrichtungen oder Betriebscafeterien besteht die Möglichkeit, die Menschen zu gesünderen, nachhaltigeren Entscheidungen zu motivieren.

Kritisiert wird beim Nudging, dass die Menschen in ihrem Verhalten zum Teil manipuliert werden. Zudem wird die Frage gestellt, wer denn entscheidet, welches Verhalten das wünschenswerte ist. Im Endeffekt wird Nudging durch den gesamtgesellschaftlichen Konsens legitimiert. Dieser ist bei vielen Fragestellungen einfach gefunden: So gilt das Treppensteigen als gesünder als das Aufzug fahren. In Bezug auf Ernährung ist allgemeiner Konsens, dass mehr Vollkornprodukte, Gemüse und kalorienfreie Getränke mit wenig Fleisch, Süßigkeiten und Alkohol empfehlenswert sind. Richtig eingesetzte Ernährungs-Nudges sollen den Bürger:innen die Entscheidung zur gesünderen Variante erleichtern. Das Nudging ist ein kostengünstiges und effektives Instrument in der Ernährungspolitik. Es soll jedoch die Ernährungsbildung, Informationskampagnen und gesetzliche Regelungen lediglich unterstützen und nicht ersetzen. 

Weitere Informationen

https://www.bzfe.de/ernaehrung/ernaehrungskommunikation/nah-am-alltag-und-kompetent-ernaehrung-besser-kommunizieren/nudging-arbeitet-mit-anreizen-statt-verboten/

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