Die Herausforderungen in Städten und Gemeinden lassen sich kaum noch isoliert lösen. Daten bilden eine elementare Grundlage für bessere Entscheidungen, vernetzte Mobilität oder attraktive touristische Angebote. Ob Besucherströme, Verkehrslenkung, Angebotsplanung oder digitale Services: Wichtige Erkenntnisse entstehen dort, wo Daten über „Organisationsgrenzen“ hinweg zusammengebracht werden. Doch ihr größter Wert entsteht oft nicht dort, wo sie gesammelt werden, sondern dort, wo sie sinnvoll geteilt, verknüpft und gemeinsam genutzt werden.
Im Webinar wurde aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert, warum der Wandel von Datensilos hin zu kooperativen Datenökosystemen für Kommunen, Mobilitätsanbieter und Tourismus-Konzepte strategisch immer relevanter wird. Es wurden konkrete Anwendungsfälle, Erfolgsfaktoren und die kulturellen Voraussetzungen für mehr Zusammenarbeit vorgestellt. Gemeinsam mit dem Expertenkreis und dem Publikum wurde der Frage nachgegangen, wie Kommunen ihre bestehenden Datenschätze besser nutzen, Kooperationen aufbauen und durch Datenteilung konkrete Mehrwerte für Bürgerinnen und Bürger schaffen können.
Alexander Handschuh, Beigeordneter und Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB), stellte in seinem Impuls heraus, dass Kommunen über eine Vielzahl wertvoller Daten verfügen, deren Potenziale bislang jedoch häufig ungenutzt blieben. Er warb für einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Daten: Nicht der Besitz von Daten, sondern deren verantwortungsvolle Nutzung und gemeinsame Weiterentwicklung müsse im Mittelpunkt stehen, so Handschuh. Seiner Einschätzung nach können Kommunen durch eine stärkere Zusammenarbeit und den Abbau von Datensilos voneinander profitieren und langfristig innovative Lösungen entwickeln. Voraussetzung hierfür seien eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, klare rechtliche Rahmenbedingungen sowie sichere technische Strukturen. Eine offene Datenkultur könne dazu beitragen, Verwaltungsprozesse zu verbessern und kommunale Angebote stärker an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten.
Anschließend lieferte Axel Reichmann, Strategic Partner Manager bei Google Global Product Partnerships, einen Perspektivwechsel und präsentierte Praxis-Lösungen aus der Sicht eines internationalen Hyperscalers. Reichmann zeigte auf, welche Chancen durch die intelligente Verknüpfung und gemeinsame Nutzung von Daten entstehen. Insbesondere in den Bereichen Mobilität und Tourismus können digitale Lösungen dazu beitragen, Informationen besser verfügbar zu machen, Angebote effizienter zu gestalten und neue Services für Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste zu entwickeln. Er betonte, dass digitale Innovationen vor allem durch die Zusammenarbeit von Kommunen, Unternehmen und weiteren Partnern entstehe. Offene Datenstrukturen und der Austausch unterschiedlicher Datenquellen schaffen die Grundlage für moderne, nutzerorientierte Anwendungen und unterstützen Kommunen dabei, ihre Aufgaben effizienter wahrzunehmen.
Bevor die Podiumsrunde startete, präsentierte Michael Dambacher, Oberbürgermeister der Stadt Ellwangen und stellv. Vorsitzender des DStGB-Digitalausschusses, eine kommunale Praxisanwendung. Dambacher stellte die Ellwangen-App als Beispiel für den erfolgreichen Einsatz digitaler Lösungen auf kommunaler Ebene vor. Die Anwendung bündelt Informationen und Angebote der Stadt und dient als digitale Schnittstelle zwischen Verwaltung, Bürger:innen sowie lokalen Akteuren. Das Beispiel machte deutlich, dass Digitalisierung dann besonders erfolgreich ist, wenn sie einen konkreten Nutzen im Alltag schafft. Digitale Anwendungen können dazu beitragen, Innenstädte zu stärken, lokale Angebote sichtbarer zu machen und die Kommunikation zwischen Stadt und Bevölkerung zu verbessern. Für Dambacher ist Digitalisierung kein Wettbewerb, sondern eine gemeinsame Reise.
In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Datenkooperationen ein wichtiger Erfolgsfaktor für zukunftsfähige und resiliente Kommunen sind. Szilvia Kalmár, Director European Policy & Government Affairs bei Via Mobility, ergänzte insbesondere die Perspektive der modernen Mobilitätsentwicklung und erläuterte, dass gemeinsam genutzte Daten eine bessere Planung und Weiterentwicklung von Mobilitätsangeboten ermöglichen können. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass erfolgreiche Digitalisierung nicht durch einzelne Insellösungen entstehe, sondern vielmehr durch Zusammenarbeit und gemeinsame Standards. Daten müssen als Grundlage für bessere Entscheidungen und innovative Angebote verstanden werden. Gleichzeitig bleiben Datenschutz, Transparenz und Vertrauen wesentliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Datennutzung.
Das Webinar zeigte, dass Daten ein zentraler Baustein für die zukünftige Entwicklung von Kommunen sind. Der größte Mehrwert entsteht nicht durch das Sammeln und Bewahren von Daten, sondern durch deren gemeinsame Nutzung. Kommunen können durch offene Kooperationen, digitale Lösungen und eine neue Datenkultur ihre Leistungsfähigkeit stärken und konkrete Verbesserungen für Bürgerinnen und Bürger, Wirtschaft sowie Besucherinnen und Besucher bspw. im Tourismussektor erreichen.
Auf die Abschlussfrage von Alexander Handschuh, was es für Prioritäten brauche, um Datenschätze zu heben und nicht weiter in Silos zu lassen, gab es drei klare Antworten: Offenheit, Vertrauen und Passgenauigkeit. Das sind die Ziele, die gesetzt werden sollten, um Datenschätze gemeinsam zu heben.
Die zentrale Botschaft der Veranstaltung lautete: Daten teilen schafft Mehrwerte – für moderne, vernetzte und zukunftsfähige Kommunen.

