Basis dieser Konzepte sind dezentrale Sensoren, die Pegelstände und Niederschläge in Echtzeit erfassen. Über Datenplattformen lassen sich diese Messwerte mit weiteren Informationen zusammenführen. Digitale Zwillinge und kartenbasierte Anwendungen machen sichtbar, welche Gebiete besonders gefährdet sind. Der Nutzen beschränkt sich dabei nicht auf den akuten Katastrophenfall. Die Daten können auch in langfristige Planungen einfließen, etwa wenn Kommunen über Entsiegelung, Rückhalteflächen, blau-grüne Infrastruktur oder Bauleitplanung entscheiden.
Unterschiedliche Ansätze in der kommunalen Praxis
Wie unterschiedlich digitale Hochwasservorsorge aussehen kann, zeigen mehrere Modellprojekte. In Berlin nutzt die Verwaltung beispielsweise den webbasierten „Blau-Grüne-Infrastruktur-Planer“. Mit ihm lassen sich Handlungsbedarfe erkennen und verschiedene Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung miteinander vergleichen. Dabei können unter anderem Starkregenrisiken, Versiegelung, Hitze und Gewässerschutz gemeinsam berücksichtigt werden.
Einen anderen Ansatz verfolgt der Eifelkreis Bitburg-Prüm. Dort kommen Pegelsensoren vor allem an Gewässern zweiter und dritter Ordnung zum Einsatz. Die Messwerte fließen in eine zentrale Datenplattform und werden über Dashboards für Verwaltung und Öffentlichkeit aufbereitet. Künftig soll eine KI-gestützte Auswertung dazu beitragen, Pegelstände genauer vorherzusagen und Warnungen früher auszugeben.
In Solingen sind Sensorik, Datenplattform und Warnsystem miteinander verknüpft. Umwelt- und Wetterdaten werden fortlaufend erfasst und mit weiteren Informationen zusammengeführt. Überschreiten die Messwerte festgelegte Schwellen, können Warnungen automatisiert über Apps und andere Informationskanäle ausgegeben werden.
Datenaustausch und Vernetzung als Erfolgsfaktoren
Sensoren, Plattformen und neue Auswertungsmöglichkeiten müssen mit verlässlichen Daten und funktionierenden Verwaltungsstrukturen verbunden werden. Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit zwischen Kommunalverwaltung, Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz sowie mit benachbarten Kommunen. Eine verbesserte Datenlage entfaltet ihren Nutzen erst dann vollständig, wenn daraus konkrete planerische oder bauliche Maßnahmen folgen. Offene Standards und interoperable Schnittstellen können den Austausch zwischen unterschiedlichen Systemen erleichtern und dabei helfen, bestehende Systeme einzubeziehen und weiterzuentwickeln.
Digitale Hochwasservorsorge kann ein Baustein klimaresilienter Stadt- und Regionalentwicklung sein. Voraussetzung ist allerdings, dass die digitale Hochwasservorsorge nicht als isoliertes Smart-City-Projekt behandelt wird. Ihr volles Potenzial entfaltet digitale Hochwasservorsorge, wenn Daten, Planung und Katastrophenschutz innerhalb und außerhalb der Kommunen dauerhaft miteinander verknüpft und über kommunale Grenzen hinweg gedacht werden.

