SDG

Nachhaltigkeitsziele und Corona


Zahlreiche Nachhaltigkeitsziele tangieren Themen, die zurzeit sowie verstärkt in die aktuelle Debatte gerückt sind. Nachhaltigkeitsziel Nummer eins, „Keine Armut“, ist in Hinblick auf die gefährdeten Existenzen der Selbstständigen in Gastronomie und Kultur hier in Deutschland eine bisher ungeahnte Brisanz verliehen worden. Während auch schon zuvor der Online-Handel für den Einzelhandel und die Innenstädte eine starke Konkurrenz darstellte, hat die Pandemie die Bedingungen sowohl für kleine Einzelhändler als auch für große Ketten vor Ort vor enorme finanzielle Probleme gestellt.

Die Pandemie hat auch Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsziel zwei, „Kein Hunger“. Die Tafeln in Deutschland stehen zum gerade vor der Herausforderungen in der Pandemie sowohl die Gesundheit der Kund:innen als auch der vielfach schon älteren Helfer:innen zu schützen und mussten deshalb neue Ausgabekonzepte entwickeln.

„Gesundheit und Wohlergehen“, formuliert als Ziel drei der Sustainable Development Goals (SDG), hat seit März 2020 die Politik in Deutschland bestimmt.

Ziel Nummer vier „Hochwertige Bildung“  ist gerade durch die Lockdowns und die Schulschließungen vielen Schüler:innen nur unzureichend zu teilgeworden. Der unzureichende digitale Unterricht vor allem zu Beginn der Pandemie war zudem eine zusätzliche Belastung für viele Familien.

Auch Ziel fünf, „Geschlechtergerechtigkeit“, wird gerade in der Corona-Pandemie nochmal neu diskutiert. Studien zeigen, dass Frauen in der Pandemie wesentliche mehr Care-Arbeit im Zuge von Betreuung im Homeschooling usw. übernommen haben als Männer.

Ziel acht, „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“: Auch in Deutschland wird in verschiedenen Wirtschaftsbereiche zum Teil sehr niedrig bezahlt. Gerade der Versandhandel und die Zustelldienste von Paketen zahlen oft niedrige Löhne für hohe Arbeitsbelastung, welche während der Pandemie nochmals enorm gestiegen ist. Aber auch die starke Belastung des Personals im Pflege- und Gesundheitsbereich während der Pandemie und die zum Teil äußerst geringe Bezahlung, besonders von Pflegekräften, haben in Deutschland Diskussionen ausgelöst.

Ziel neun „Industrie, Innovation und Infrastruktur“: Arbeitnehmer:innen arbeiten und Schüler:innen lernen vermehrt von Zuhause aus. Gerade der mangelnde Ausbau der Breitbandinfrastruktur in Deutschland hat sich hier als Manko herausgestellt. Dies betrifft natürlich nicht nur Privathaushalte, sondern auch Verwaltungen, Schulen und Unternehmen.

SDG 12 fordert für „Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster“ zu sorgen. Das deckt sich nur bedingt mit dem derzeitigen (Einkaufs-) Verhalten, welches vor allem dem Onlinehandel Rekordumsätze beschert. Jedoch hat die Pandemie auch in diesem Zusammenhang Forderungen nach einer größeren Regionalisierung von Produktion und nachhaltigeren Konsum unterstrichen.

„Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“ - unter dieser Überschrift steht Ziel 16 der SDGs. Gerade die Skandale um die Maskenbeschaffung haben hier gezeigt, dass auch dieses Ziel für Deutschland Relevanz hat. Die Ausnahmesituation der Pandemie hat auf Schwachstellen im politischen System aufmerksam gemacht und nochmal verdeutlicht, dass auch in Deutschland starke Institutionen und Strukturen von hohem Wert sind.

Das letzte Ziel „Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“ wird in Zeiten einer globalen Pandemie noch plastischer. Während in der Klimakrise allen Akteuren nur theoretisch bewusst zu sein schien, dass lediglich ein globaler, kooperativer Ansatz zur Lösung beitragen wird, macht das Corona-Virus dies nochmal auf seine eigene Weise deutlich und zeigt, wie schwierig globaler Zusammenhalt und weltweite Kooperation bei der konkreten Bekämpfung von tatsächlich weltweit umspannenden Problemen sind.

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