Soziales

Vom Leerstand zum multiplen Haus – als gemeinsamer Stützpunkt von Dienstleistungen und Nachbarschaft 


Ergebnis eines Forschungsprojekts des Büros rb architekten war die Entwicklung eines prototyphaften multiplen Gebäudes als bauliche Hülle für unterschiedliche Nutzungen und Dienstleistungen. Die Etablierung eines solchen multiplen Hauses soll die Lebensqualität im ländlichen Räumen erhöhen und weiter noch den Zugang zur Grundversorgung sichern. Vorrangig soll dafür ungenutzte Bausubstanz dienen, zum Beispiel Gemeindehäuser, Schulen, Bahnhöfe oder Profanbauten. Das multiple Haus m. H. ist eine ökologisch und wirtschaftlich Antwort auf die vielschichtigen Problemfragen, welche die zunehmend eingeschränkte Mobilität einer alternden Gesellschaft im ländlichen Raum aufwirft. Gleichzeitig werden dabei Lösungen zur Aktivierung von leerstehenden Gebäuden und dessen flexible Nutzung in besonders kleinen Gemeinden herangezogen. Die Adaption von modernen und zeitgemäßen Ideen wie das „Sharing“ oder „Co-Working“ werden hier in Form der multiplen Häuser innovativ umgesetzt. 

„Multiple“ bedeutet hier unterschiedlich: Im multiplen Haus können die Nutzungen täglich wechseln. Am Montag kommt der Arzt, am Dienstag berät die Sparkasse, am Mittwoch hilft die Physiotherapeutin, am Donnerstag kommt die Friseuse, am Freitag werden Lebensmittel verkauft und abends und am Wochenende gibt es Kaffeeklatsch, Skat-Abend, Tanz, Chor und Internetkurse. Die fehlende Mobilität der Anwohner*innen wird durch die Flexibilität der Dienstleister und den zentralen Anlaufpunkt aufgefangen. Die unterschiedlichen Dienstleister teilen sich unter anderem die Grundmiete und Nutzungsgebühren der Immobilie. Die Idee des Multiplen Hauses wurde von Büro rb architekten bereits 2008 entwickelt und im Rahmen der Forschungsinitiative „Zukunft Bau“ des Bundesbauministeriums bis zur Ausführungsreife ausgearbeitet. In einem ersten Modellprojekt hat das Büro rb architekten bereits fünf Dörfer am Stettiner Haff bei der Umsetzung eines ersten regionalen Netzwerks Daseinsvorsorge begleitet und diesen Prozess entsprechend dokumentiert. Die Häuser wurden 2014 eröffnet.

„Alte Dorfschule m. H.– durch den einfach Zusatz m. H. im Namen wird ein Gebäude als multiples Haus regional und überregional identifizierbar, behält aber trotzdem seine Identität und zeigt „Geschichte“. Ziel der Platzierung dieses Labels ist zum einen der hohe Wiedererkennungswert und die Werbewirksamkeit, zum anderen aber auch der Wiederholungseffekt und die Bildung eines überregionalen Netzwerks. 

Das aktuellste Beispiel der Planung und Eröffnung eines multiplen Hauses ist das in Rackwitz. Das alte Pfarrhaus wird umgebaut. Ein stimmiges Raumkonzept für das neue Gebäude steht: Ein Zusammenkommen von multipel genutzten Räumen mit Co-Working/Co- Housing Bereichen und einer klassischen Gewerbevermietung sind hier die Idee. Bereits in diesem Sommer soll das multiple Haus eröffnet werden.  

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