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Nachbericht

Digitale Innovators Lounge „Wertschätzung und Wertschöpfung – innovative Instrumente als Win-Win“ 


Die Begrüßung fand durch den Beigeordneten und Sprecher des DStGB, Alexander Handschuh, statt, der zu Beginn eine Einordnung zur aktuellen Lage der Kommunen und den Herausforderungen, vor denen die Städte und Gemeinden in Deutschland stehen, gab. Er betonte, dass angesichts des Fachkräftemangels im öffentlichen Sektor und des wirtschaftlichen Drucks, innovative Instrumente angewendet werden müssten. Diese könnten zudem auch gegen das Sterben der Innenstädte und Ortskerne zum Einsatz kommen. Viele Problemstellungen erforderten innovative Lösungsansätze u.a. im Stadtmarketing, wie beispielsweise den Einsatz regionaler Sachbezugskarten. Handschuh regte an gemeinsam Ideen zu skizzieren, wie Kommunen noch besser als Schnittstelle wirtschaftlicher und öffentlicher Interessen fungieren können. Es müsse gelingen wieder mehr Wertschätzung für regionale Händler zu generieren und so zusätzliche Wertschöpfung vor Ort zu erzeugen.

Anschließend lieferte Dr. Markus Preißner, Wissenschaftlicher Leiter beim Institut für Handelsforschung (IFH) Köln, datenbasierte Einblicke in Trends und Zukunftsthemen aus Sicht des Handels. Der Experte für den Einzelhandel im digitalen Zeitalter bekräftigte die aktuell angespannte wirtschaftliche Lage vieler Kommunen. In seiner Analyse stellte er die jährliche nominale und reale Umsatzentwicklung seit der Jahrtausendwende gegenüber. Seine Kernaussage war, dass trotz eines kontinuierlich steigenden nominalen Wachstums von etwa vier Prozent das reale Wachstum des Einzelhandels seit dem Jahr 2019 stagniert. Neben steigenden Ausgaben vieler Einzelhändler seit der COVID-19-Pandemie und dem Ukraine-Krieg, liege die Situation vor allem auch an den gezielten Einsparungsplänen der Konsumenten in allen Kaufsegmenten (ausgenommen davon sind Lebensmittel). In der Konsequenz bedeute dies eine Abwärtsspirale aus weniger Einnahmen für den Einzelhandel, zunehmendem Leerstand von Ladenflächen und einer abnehmenden Attraktivität der Innenstädte.

Einen möglichen Lösungsansatz mittels regionaler Sachbezugskarten präsentierte Adrian von Nostitz, der als Prokurist, Chief Marketing Officer und Chief Sales Officer das Münchner Fintech-Unternehmen givve vertrat. Givve habe sich zum Ziel gesetzt, alle Stakeholder an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam die lokale Wirtschaft zu stärken und die Attraktivität der Ortskerne zu erhöhen. Kommunale Arbeitgebende festigten dabei die regionale Wirtschaft, indem sie das regionale Bezahlkarten-System initiierten und Mitarbeitenden jeden Monat zusätzlich 50 Euro in Form eines steuerfreien Sachbezugs auf deren Sachbezugskarte bereitstellten. Dies wirkt sich positiv auf die Arbeitgebermarke der lokalen öffentlichen Verwaltung aus und Mitarbeitende erhalten eine zusätzliche Wertschätzung. Die zusätzliche Kaufkraft würde aufgrund der Bindung der Karten an ein Postleitzahlengebiet lokal bzw. regional ausgegeben. Daher bleibe die zusätzliche Wertschöpfung in der Region. Das Ergebnis soll ein sich selbst verstärkender Kreislauf lokaler Wirtschaftskraft sein. Gegenüber klassischen Gutscheinsystemen liegen die Vorteile der Sachbezugskarten darin, dass der Verwaltungsaufwand wesentlich geringer ist, Mitarbeitende die Karte bei verschiedenen Händlern einsetzen könnten, der auf der Karte enthaltene Geldbetrag nicht verfalle und die digitale Bezahlform der Sachbezugskarten eine datenbasierte Erfolgsmessung für das regionale Stadtmarketing ermögliche.

In einem weiteren Impuls berichtete Verena Peters von der Einführung und Verwaltung der „DinklageCard“. Die Finanzvorständin des Dinklager Bürgeraktion e.V. betonte, dass zunächst ein klares Anforderungsprofil für die regionale Sachbezugskarte zu definieren war. Für die Kleinstadt Dinklage mit ca. 14.000 Einwohnern war hierbei zunächst ein geringer zentraler Verwaltungsaufwand wichtig, um zusätzliche Personalausgaben zu vermeiden. In der Praxis bedeute dies, dass Arbeitgebende die „DinklageCard“ beantragten und die gesammelten Unterlagen an givve weitergeleitet werden. Ab diesem Punkt seien Unternehmen in der Selbstverwaltung, die einfach und effizient funktioniere. Die Karte habe somit ein „gutes Preis-Leistungs-Verhältnis“ für die Unternehmen. Bei Mitarbeitenden erfreue sich die Sachbezugskarte großer Beliebtheit, da sie bei einer großen Bandbreite von Annahmestellen in Dinklage einsetzbar sei und aufgeladenen Geldbeträge keine Verfallsfrist hätten. Für den Einzelhandel sei die Karte attraktiv, da sie kein separates Zahlungsterminal erfordere und sich ohne zusätzlichen Aufwand an das Mastercard-Netzwerk anschließe. Händler warben sogar mit einem „DinklageCard“- Aufkleber, was ihre Attraktivität für Konsumenten steigere.

An der abschließenden Podiumsdiskussion nahmen neben Adrian von Nostitz und Verena Peters auch Christine Klein, Bürgermeisterin der Stadt Bensheim, sowie Achim Gebhardt, Partner bei CIMA Beratung + Management und Leiter von cima.digital, teil.

Bürgermeisterin Klein erklärte, dass die Stadt Bensheim durch aktives Stadtmarketing kaum mit Leerständen von Ladenflächen zu kämpfen habe. Vielmehr sei der Fachkräftemangel vor allem in technischen Berufen eine Herausforderung für die Stadt. Daher werde die Einführung einer Sachbezugskarte in Kombination mit anderen Mitarbeitervorteilen derzeit geprüft. Die Bürgermeisterin betonte, dass die Sachbezugskarte nicht als „Allheilmittel“ begriffen werden solle, sondern als Teil mehrerer kreativer Lösungen im Stadtmarketing. Vor allem die Aufenthaltsqualität der Stadtkerne sei wichtig, die nur in Zusammenarbeit mit lokalen Geschäftsinhabern zu erreichen sei. Die Stadt Bensheim biete eine gute Mischung aus „kleinen, aber feinen“ Geschäften. Geschäftsinhaber beteiligten sich zudem durch das Aufstellen mobiler „Babbelbänke“ oder halfen bei der Schmückung des Ortskerns zu Feiertagen. Auch Veranstaltungen wie Kunstmärkte oder Nightshopping seien Innenstadtmagnete und fänden großen Anklang in Bensheim. Achim Gebhardt ging auf die Wichtigkeit von Daten für das Stadtmarketing, beispielsweise zur Angebotsstruktur von Geschäften, zu Wahrnehmungen und Ansprüchen verschiedener Zielgruppen, zur Frequentierung von Innenstädten und zu Leerständen, ein. Auch Transaktionsdaten der Sachbezugskarten könnten wichtige Erkenntnisse liefern, mit denen Kommunen Stadtmarketingmaßnahmen steuern könnten. Verena Peters betonte abschließend den Wert der Sachbezugskarten als „identitätsstiftendes Merkmal“, das lokales Bewusstsein und Zusammenhalt stärke. Peters berichtete aus Ihrem Dinklager Büro-Alltag und erzählte, dass regelmäßig interessierte Personen bei Ihr vorbeikommen und sich nach den Konditionen für die Karte erkundigen.

Die Diskussion zeigte, dass die regionale Sachbezugskarte einen positiven Beitrag zum regionalen Gemeinschaftsgefühl leisten kann und mit wenig Aufwand auch in kleinen Kommunen einsetzbar ist – ein „Win-Win“ aus Wertschätzung und Wertschöpfung für alle.

Im Rahmen der Innovators Lounge wurde deutlich, dass zur Stärkung der Kommunen und der Innenstädte und Ortskerne ein Bündel an Maßnahmen notwendig ist. Ein einzelnes Instrument allein wird nicht ausreichen, aber im Zusammenwirken kann jeder Ansatz einen Beitrag leisten. Eine regionale Sachbezugskarte kann vor Ort dazu beitragen, einen Mehrwert für die Mitarbeitenden zu bieten und gleichzeitig den stationären Handel zu unterstützen.