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"Die Glasfasertechnologie würde uns einen wesentlichen Standortvorteil verschaffen"

Breitband
"Die Glasfasertechnologie würde uns einen wesentlichen Standortvorteil verschaffen"

Die bayerische Gemeinde Rudelzhausen nahe Freising plant, in Eigenregie ein leistungsfähiges Glasfasernetz zur Breitbandversorgung ihrer Bürgerinnen und Bürger aufzubauen. Unter dem Motto "Breitband für Rudelzhausen" soll mit Hilfe einer eigens zu diesem Zweck gegründeten Gesellschaft die 3500 Einwohner zählende Gemeinde mit schnellen Datenleitungen versorgt werden. Über die Pläne und den Stand der Umsetzung sprach DStGB-Online mit Bürgermeister Konrad Schickaneder.

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DStGB-Online: Herr Bürgermeister, Sie gehen bei der Anbindung Ihrer Gemeinde Rudelzhausen an das Breitbandnetz einen eigenen Weg. Können Sie kurz schildern, wie Sie die Versorgung realisieren wollen?

Bürgermeister Konrad Schickaneder: Wir haben zu diesem Zweck die „Rudelzhausen – Unser Ortsnetz GmbH“ gegründet. Gesellschafter sind die Firma „Unser Ortsnetz GmbH“ aus Oering, ein Tochterunternehmen der Firma „Sacoin GmbH“, und die Gemeinde Rudelzhausen.
Diese neu gegründete Gesellschaft wird mit der „Sacoin GmbH“ einen Generalunternehmervertrag über die Errichtung der Infrastruktur, den Betrieb und die Verwaltung eines Breitbandnetzes abschließen. Damit könnten in Zukunft alle Bürger über Glasfasertechnologie die Dienste Telefon, Internet, TV und Radio nutzen.

DStGB-Online: Warum planen Sie, ein Glasfasernetz in Eigenregie aufzubauen? Welche Vorteile versprechen Sie sich davon?

Bürgermeister Konrad Schickaneder: Wir sehen die Breitbandversorgung als Schlüsseltechnik des 21. Jahrhunderts – ähnlich der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung im 20. Jahrhundert. Die Glasfasertechnologie ist dabei die zukunftsfähigste Lösung und würde uns einen wesentlichen Standortvorteil verschaffen.

DStGB-Online: Sie planen, die 1100 Haushalte in Ihrer Gemeinde direkt an das Glasfasernetz anzuschließen. Können Sie bereits abschätzen, wie hoch die Übertragungsgeschwindigkeiten sein werden?

Bürgermeister Konrad Schickaneder: Da jeder Haushalt einen eigenen Glasfaseranschluss erhalten wird, werden mindestens 50 Megabit pro Haushalt im Down- und Upload zur Verfügung stehen.

DStGB-Online: Das ambitionierte Vorhaben ist doch sicherlich mit hohen Kosten verbunden. Können Sie bereits beziffern, wie viel Geld das Ihre Gemeinde kosten wird?

Bürgermeister Konrad Schickaneder: Die Gemeinde hat lediglich Kosten in Höhe von rund 30.000 Euro für die Stammkapitaleinlage und die Gründung der GmbH zu tragen.

DStGB-Online: Und wie finanzieren Sie den Aufbau des Netzes?

Bürgermeister Konrad Schickaneder: Die notwendigen Investitionskosten werden über Kredite finanziert. Die laufenden Betriebskosten werden über die Nutzergebühren abgedeckt. Dazu schließt die GmbH mit den Bürgern Verträge zur Abnahme der Dienste ab. Dies geschieht, bevor die Vergabe der Errichtung der Netzinfrastruktur erfolgt.

DStGB-Online: Nehmen Sie auch staatliche Fördergelder in Anspruch?

Bürgermeister Konrad Schickaneder: Die Förderrichtlinie des Freistaates Bayern sieht eine Förderung nur dann vor, wenn ein Vorhaben verwirklicht wird, bei dem als Hauptkriterium eine Mindestversorgung mit Breitband aufgebaut werden muss. Außerdem muss eine Wirtschaftlichkeitslücke gegeben sein. Es darf sich also kein Anbieter finden, der sich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten in der Lage sieht, die Erschließung des Gebietes vornehmen zu können. Wir werden jedoch mit dem dann verfügbaren Breitbandnetz deutlich über den Kriterien zur Mindestversorgung liegen. Es wird auch keine Wirtschaftlichkeitslücke entstehen, weil das Vorhaben nur bei einer ausreichenden Anzahl von Nutzern und somit einer dadurch gesicherten Finanzierung realisiert werden kann. Auf staatliche Fördergelder sind wir somit nicht angewiesen.

DStGB-Online: Wie ist die Resonanz aus der Bevölkerung?

Bürgermeister Konrad Schickaneder: Vielen Gesprächen kann ich entnehmen, dass die Bürger diese Form der Breitbandversorgung befürworten und im 21. Jahrhundert auch zurecht erwarten. Das große Interesse spiegeln auch die unverbindlichen 574 Registrierungen für einen Breitbandanschluss, die wir auch auf unserer Homepage veröffentlicht haben, wieder.

DStGB-Online: Wie gehen Sie vor, um Kunden für dieses eigene Ortsnetz zu gewinnen?

Bürgermeister Konrad Schickaneder: Wir haben einzelne Bürger gebeten, sich als freiwillige Ansprechpartner für potentielle Interessenten zur Verfügung zu stellen. Zunächst werden alle bereits registrierten Haushalte angeschrieben und ihnen einer dieser Ansprechpartner genannt. Dieser hilft beim Ausfüllen des Vertrages und beantwortet den Nutzern offene Fragen. Die übrigen Bürger können sich weiterhin registrieren lassen und werden ebenfalls einem Ansprechpartner zugeteilt.

DStGB-Online: Und wie teuer wird ein schneller Netzanschluss für die Bürgerinnen und Bürger in Rudelzhausen voraussichtlich werden?

Bürgermeister Konrad Schickaneder: Die Dienste (Telefon, Internet, TV und Radio) werden in einer Preisspanne von 18 – 60 Euro/Monat angeboten, je nachdem wie viele Dienste in Anspruch genommen werden. Damit bewegen wir uns im Bereich der derzeit verlangten Gebühren anderer Anbieter, obwohl wesentlich höhere Leistungen angeboten werden.

DStGB-Online: Wie sieht Ihr Zeitplan aus? Wann können die Einwohner von Rudelzhausen das schnelle Netz nutzen?

Bürgermeister Konrad Schickaneder: Vorgesehen ist, dass in diesem Jahr die erforderliche Anzahl rechtsverbindlicher Verträge vorliegt, damit die Finanzierung gesichert ist. Dann wird die Planung und Ausschreibung der Errichtung der Netzinfrastruktur erstellt. Im Frühjahr 2010 soll nach heutigem Planungsstand mit dem Bau begonnen werden. Bereits bis Ende desselben Jahres soll das Glasfasernetz für unsere Einwohner nutzbar sein.

DStGB-Online: Herr Bürgermeister, wir danken Ihnen für das Gespräch.

(Das Interview führte Alexander Handschuh, DStGB Online-Redaktion)

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© DStGB, Berlin, 09.03.2011